★ Kostenlos: 4 Workbooks zum Sofort-Loslegen — jetzt herunterladen
Selbstcoaching · ca. 6 Min. Lesezeit

Selbstcoaching lernen: Anleitung für den Alltag.

Von Neda Hundertmark · Trainerin, Mentorin & Autorin

Kurz gesagt: Selbstcoaching heißt, dir selbst die Fragen zu stellen, die ein guter Coach dir stellen würde — und zwar bevor der Autopilot übernimmt. In diesem Artikel bekommst du mein Alltagsformat RAUM als Schritt-für-Schritt-Anleitung: 5 Minuten, die zwischen dich und deine automatische Reaktion passen.

Der Moment, um den es geht

Eine E-Mail, und dein Puls steigt. Ein Satz deines Partners, und du bist auf 180. Eine Absage, und der innere Kritiker legt los. Das sind die Momente, in denen wir „einfach so“ reagieren — und es hinterher bereuen. Viktor Frankl wird der Gedanke zugeschrieben, der mein Format geprägt hat: Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Freiheit.

Selbstcoaching heißt: diesen Raum finden und nutzen. Nicht irgendwann im Seminar — sondern Dienstagnachmittag, wenn es zählt.

Vorbereitung: 30 Sekunden für dein Gehirn

Bevor du denkst, hilf deinem Nervensystem. Mein Micro-Ritual vor jeder RAUM-Runde:

  1. Einmal tief einatmen — und doppelt so lang ausatmen.
  2. Einen Moment stillstehen. Füße spüren.
  3. Innerer Satz: „Ich habe einen Raum zwischen Reiz und Reaktion.“

Das klingt banal — ist aber Biologie: Ein regulierter Körper kann denken, ein alarmierter nur kämpfen, fliehen oder erstarren.

Das RAUM-Format: 4 Schritte + 1 Wahl

R — Reiz wahrnehmen

Was ist passiert — ohne Bewertung? Trenne Fakten von Interpretation. Die stärkste Frage dafür: „Was wäre auf einer Kamera sichtbar?“ Auf der Kamera sieht man: Der Kollege hat die Mail ohne Anrede geschrieben. Nicht sichtbar: „Er respektiert mich nicht.“ Das ist schon Interpretation.

A — Abstand schaffen

Tritt innerlich (oder wirklich) einen Schritt zurück. Benenne, was in dir passiert: „Da ist Ärger. Da ist Enge in der Brust.“ Benennen beruhigt — was einen Namen hat, hat dich nicht mehr voll im Griff. Ergänze die Selbstliebe-Frage: „Was würde ich jetzt einem guten Freund sagen, dem das passiert?“

U — Umdeuten

Suche spielerisch nach anderen Lesarten: Welche drei anderen Erklärungen gäbe es für das Verhalten? In welchem Zusammenhang wäre deine Reaktion sogar eine Stärke? Du musst die neue Deutung nicht glauben — es reicht, dass sie möglich ist. Schon das löst den Krampf.

M — Möglichkeiten sehen

Jetzt, mit Abstand: Was könntest du tun? Sammle mindestens drei Optionen — auch unbequeme, auch „nichts tun, heute“. Erst wenn du Optionen hast, hast du Freiheit.

Der Abschluss: Wählen

Wähle bewusst eine Option — und benenne sie als Wahl: „Ich entscheide mich, erst morgen zu antworten.“ Das ist der Unterschied zwischen Reagieren und Handeln. Zum Schluss 60 Sekunden Eigenreflexion: Was nehme ich aus dieser Runde mit?

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum — und darin deine Freiheit.“
Übungsplan für eine Woche: Nimm dir für die nächsten sieben Tage eine einzige wiederkehrende Situation vor (z. B. die morgendliche Mail-Flut). Geh jedes Mal einmal durch RAUM — auch wenn es nur zwei Minuten sind. Nach einer Woche läuft das Format fast von selbst. Vertiefung mit Stift und Papier: meine kostenlosen Workbooks, besonders „Bei dir ankommen“ und „Deine Muster verstehen“.

Wo Selbstcoaching endet

RAUM ist stark für den Alltag. Aber bei tief sitzenden Mustern, großen Entscheidungen oder wenn du dich trotz aller Übung im Kreis drehst, braucht es den Blick von außen — genau dafür gibt es Coaching & Mentoring und den Walk-&-Talk-Intensivtag. Und wichtig: Bei psychischen Erkrankungen oder akuten Krisen gehört dein Thema in fachliche Hände (Krisentelefon 0800 111 0 111, kostenlos, rund um die Uhr).

Weiterlesen

Werde Meister im Selbstcoaching.

Der schnellste Weg dahin: einmal erleben, wie es sich richtig anfühlt.

Kostenloses Erstgespräch sichern